Nacharbeit verhindern – Varianten klar kommunizieren

Nahezu 40% der Maschinenbauunternehmen sehen häufige und rasche Wechsel der Anforderungen während des Konstruktionsprozesses als eine der kritischsten Herausforderungen an.


 

 

Ein weiteres, wichtiges Thema ist die Präsentation der Variantenvielfalt und der Produkteigenschaften – je mehr Möglichkeiten der Kunde hat, das Produkt individuell zu gestalten, desto mehr Möglichkeiten hat er, sich falsch zu entscheiden und bei der Lieferung enttäuscht zu werden. Diese Problematiken gilt es aufzulösen, wenn man man Markt bestehen will. Deshalb ist ein gutes Vertriebstool im Vordergrund mindestens ebenso wichtig wie die Datenverwaltung im Hintergrund.

Schon seit längerem kämpfen die Onlineversender mit extrem hohen Retourenquoten, bei Zalando werden beispielsweise 50 Prozent der versandten Artikel zurückgeschickt. Das verursacht im Onlinehandel „nur“ hohe Kosten – alleine das Handling kostet bis zu 20 Euro pro Retoure, hinzu kommt oft ein Wertverlust. Das Problem ist, dass die Produkte im Onlineportal oft anders aussehen oder eben doch nicht so perfekt passen, wie der Kunde erwartete. Mehr Information wäre oft hilfreich, um Fehlkäufe und damit Retouren zu vermeiden.

In der Industrie ist das Problem wesentlich brisanter: Sondermaschinen lassen sich nicht einfach zurückschicken und weiterverkaufen. Hier geht es nicht um Retouren, sondern um Nacharbeit und nachträgliche Änderungen, die oft entstehen, weil die Maschine die vom Kunden erwartete Leistung nicht erbringt. Auch hier klaffen Kundenerwartung und Leistung des Produkts auseinander, auch hier ist zu wenig Information das Problem.

Im Konfigurationsmanagement gibt es den Begriff des Beziehungsnetzes. Dies ergibt sich aus dem Regelwerk, das beschreibt, wie die Varianten und Optionen einer Maschine voneinander abhängen, welche Varianten sich gegenseitig ausschließen und wie eine bestimmte Leistung erreicht werden kann. So kann es notwendig sein, für eine bestimmte Taktzahl einen größeren Motor einzusetzen, andererseits das höhere Gewicht des größeren Motors jedoch wiederum bei den schnelleren Bewegungen höhere Belastungen auf die Grundkonstruktion ausübt. So hängen alle Parameter voneinander ab und eine Entscheidung an einer Stelle kann Auswirkungen auf die Erfüllung von Requirements an anderer Stelle haben.

Grundlage für solch komplexe Konfigurationen ist ein Konfigurationsmanagement-Werkzeug, das zu jedem Zeitpunkt sicherstellt, dass die Variante und die darunterliegende Stückliste kohärent und richtig sind. Ebenso wichtig ist aber, das Beziehungsnetz so transparent zu machen, dass der Kunde versteht, welche Auswirkungen eine Entscheidung hat. Es ist also wichtig, die Abhängigkeiten einerseits klar zu definieren, andererseits jedoch auch klar zu begründen, warum Abstriche an einer Stelle notwendig sind, um an einer anderen Stelle eine Anforderung erfüllt zu bekommen.

Optimale Information ist die Basis optimaler Entscheidungen. Softwaretools wie PLM-Systeme, in denen eben nicht nur die „harten Fakten“ in Form der CAD-Daten hinterlegt sind, sondern auch der „Engineering Intent“, also das Warum einer Lösung, sind bei der Komplexität heutiger Produkte die einzige Möglichkeit, diese Komplexität und Doppelte Fragestellung im Griff zu behalten. Das zeigen die Zahlen der Aberdeen-Studie deutlich: Erfolgreiche Firmen schleusen ihre Daten in einer Plattform durch den gesamten Prozess, die „Follower“ arbeiten mit verteilten Datenquellen ohne echten Bezug zueinander.

Mit der Branchenlösung Simple Solution Selection bietet Dassault Systèmes eine technische Konfigurationsanwendung, mit der Unternehmen aus dem Maschinenbau, aber auch aus anderen Branchen, die Produktkomplexität bewältigen können, die sich aus der wachsenden Nachfrage nach maßgeschneiderten Produkten ergibt. Simple Solution Selection gestattet eine schnelle Konfiguration modularer Maschinen, die die Erwartungen der Käufer erfüllen. Wenn die Modularchitektur eingerichtet ist, lassen sich mit dem Vertriebskonfigurator schnell und sicher Angebote erstellen; der technische Konfigurator hingegen macht es möglich, Aufträge sehr schnell abzuwickeln.

 

Quelle: Puls der Innovation (deutscher Blog von Dassault Systemes)

Autor: Jochem Baehr, DS

Jochem Baehr ist Senior Technical Sales Specialist im Bereich CATIA Engineering in der Region Eurocentral. Durch die langjährige Erfahrung mit sehr unterschiedlichen Kundenszenarien ist er Spezialist wenn es darum geht komlexe Zusammenhänge einfach darzustellen.